Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff, Kandidat von CDU und FDP für das Amt des Bundespräsidenten, spricht sich für mehr Wählermacht auf allen Ebenen aus. Das in seinem Bundesland auf kommunaler Ebene bereits praktizierte Kumulieren und Panaschieren will Wulff auch auf Landes, Bundes- und Europaebene ausgedehnt sehen. Dies hat der Ministerpräsident im Juni 2009 in einem Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung vorgeschlagen. Der CDU-Politiker befürwortet damit ein Wahlsystem, das die CDU für Nordrhein-Westfalen ablehnt.
Bei diesem bereits in 13 Bundesländern praktizierten Wahlrecht können die Wähler mehrere Stimmen an einen Kandidaten vergeben, diese also auf ihn kumulieren. Außerdem können die Stimmen auch an Kandidaten verschiedener Parteien verteilt werden. Dies nennt man Panaschieren. Zuletzt ist es außerdem möglich, ungeliebte Mandatsbewerber ganz von den Kandidatenlisten zu streichen. Damit können die Wähler die Listenreihenfolge der Kandidaten noch einmal ändern und mehr Einfluss darauf nehmen, wer sie im Parlament vertritt.
Die CDU hatte im September 2008 unsere Volksinitiative „Mehr Demokratie beim Wählen“ für die Einführung dieses Wahlsystems in NRW zusammen mit SPD und FDP abgelehnt. Mehr als 72.000 Bürger hatten die Volksinitiative zuvor mit ihrer Unterschrift unterstützt. Die FDP hat ihre Haltung inzwischen korrigiert und spricht sich für Kumulieren und Panaschieren in Nordrhein-Westfalen aus. Auch Grüne und Linke wollen dieses kandidatenbezogenere Wahlsystem.
Würde Wulff Bundespräsident, wäre er bereits das vierte Staatsoberhaupt, das ein demokratischeres Wahlsystem befürwortet. Vor ihm hatten sich bereits Roman Herzog, Johannes Rau und Horst Köhler für mehr Demokratie beim Wählen ausgesprochen.









