In Nordrhein-Westfalen laufen derzeit gleich drei Bürgerbegehren zu Kulturfragen. In Köln setzt sich eine Kulturinitiative für den Erhalt und die Sanierung des denkmalgeschützten Schauspielhauses ein. In Velbert sammeln Bürger Unterschriften gegen den Abriss der Villa Herminghaus. Und in Herford will eine Wählergemeinschaft die Aufstellung von Kunstwerken im öffentlichen Raum verhindern, weil diese nach ihrer Meinung nicht ins Stadtbild passen.
Kultur ist im Rahmen der direkten Demokratie eher selten ein Thema. Seit 1994 gab es aber wiederholt Initiativen etwa für den Erhalt von Theatern. In Mönchengladbach (2001) und Plettenberg (1998) stritten Bürger vor einigen Jahren für den Erhalt von Spielstätten. Sie erhielten dafür im Bürgerentscheid auch eine Mehrheit der Abstimmenden, jedoch waren die Abstimmungen ungültig, weil die erforderliche Mindestzustimmung von 20 Prozent der Stimmberechtigten von den Bürgerbegehren nicht erreicht wurde. Erfolgreich war hingegen eine Initiative gegen den Bau eines neuen Theaters in Gütersloh. Hier votierten drei Viertel gegen die Neubau-Pläne der Stadt. Die Planungen wurden daraufhin überarbeitet und eine kleinere Theatervariante im Herbst 2009 eröffnet.
Auch andere Kulturbereiche waren Thema von Bürgerbegehren. Ein Bürgerbegehren für den Weiterbetrieb des Bücherbusses im Kreis Soest war 2006 ebenso erfolgreich wie einen Initiative für den Erhalt der Stadtteilbibliotheken in Hattingen 2007. Ähnliche Initiativen in anderen Orten wurden durch zahlreichen überflüssigen Hürden für Bürgerbegehren zu Fall gebracht oder scheiterten an der Abstimmungshürde beim Bürgerentscheid.
Auch Mehr Demokratie hat seine Wurzeln in der Kunst- und Kulturbewegung. Kein geringerer als der Düsseldorfer Künstler Joseph Beuys hatte 1971 die „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“, gegründet, eine Vorläuferorganisation von Mehr Demokratie. Sein Credo:
„Volksherrschaft heißt in meinen Augen ...: Alle Menschen schaffen sich ihre Verfassung, wählen, nachdem sie die Verfassung gemacht haben (…). Volksveto und Abwahl muss jeden Tag möglich sein.“
Beuys war damit Impulsgeber für die Verbreitung der direkten Demokratie in Deutschland. Heute setzen sich Menschen mit deren Hilfe über die von ihnen gewünschte Kulturpolitik auseinander und entscheiden darüber selbst. Damit wirken Bürger im wahrsten Sinne des Wortes als Kulturschaffende.








