Als eine der ersten Städte bundesweit bietet die Stadt Moers Daten aus ihrer Verwaltung in einem eigenen Open Data-Portal an. Das Internetangebot der Kommune am Niederrhein ging am 19. Februar online. Die Bürger der Stadt können damit auf einfache Weise an alle wichtigen Daten kommen und diese nach ihren Bedürfnissen nutzen.
Als „Open Data“ bezeichnet man die öffentlich verfügbare Bereitstellung von Datenbeständen der öffentlichen Hand. Diese werden in der Regel in Form von Rohdaten in maschinenlesbaren Formaten zur Verfügung gestellt. Ausgenommen hiervon sind personenbezogene Daten sowie Daten, die anderweitig schutzwürdig sind.
Wir haben mit Claus Arndt, Fachdienstleiter Zentrale Dienste, u.a. zuständig für Internet, Social Media und Open Data bei der Stadt Moers, über das neue Online-Angebot gesprochen.
Die Stadt Moers stellt auf ihrer Internetseite seit kurzem viele Daten aus der Stadtverwaltung zur freien Nutzung durch alle Bürger zur Verfügung. Was war der Auslöser zur Entwicklung dieses Angebots?
Arndt: Gedanklich beschäftigen wir uns schon etwas länger mit dem Thema, weil es sehr gut in unsere bisherige, auf Transparenz und Offenheit ausgerichtete Strategie passt. Wir sind ja seit vielen Jahren mit Foren, einem Blog und verschiedenen Bürgerbeteiligungsformen im Web. Zudem bedienen wir seit über drei Jahren sehr intensiv verschiedene Social Media-Kanäle. Sehr konkret wurde es durch die Einladung zur Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement, mit der wir aktuell ein Positionspapier zum Thema Open Data für Kommunen erarbeiten. Der inspirierende Austausch - gerade auch mit den Kollegen aus Wien und Linz - hat einfach das Interesse verstärkt, auch zeitnah mit einem Projekt zu starten.
Welche Daten finden sich in Ihrem Angebot und wie können Bürger diese nutzen?
Arndt: Wir sind mit 30 Datensätzen gestartet. Es handelt sich um Haushaltsdaten, Infrastrukturdaten etwa von Kindergärten, Schulen und Vereinen, Geodaten und Datensätze aus den Bereichen Freizeit, Tourismus, Internet und Verwaltung. Wir werden den Datenbestand natürlich weiter ausbauen. Für die Datensätze gilt die Datenlizenz Deutschland - Namensnennung - Version 1.0. Es ist also eine freie - auch kommerzielle - Nutzung der Daten unter Angabe der Quelle erlaubt.
Wie ist die Unterstützung durch Bürgermeister und Parteien in Moers? Gibt es skeptische Stimmen und wie gehen Sie damit um?
Arndt: Die Verwaltungsspitze steht eindeutig hinter dem Gedanken von Open Data und hat dem Projekt sowie der Beteiligung an dem Bundesportal einvernehmlich zugestimmt. Open Data setzt zum jetzigen Zeitpunkt ja eigentlich nur die bereits seit Jahren laufende Öffnung von Verwaltungsinformationen via Internet fort. Insofern ist das in Moers auch noch kein politisches Thema, zumal es nicht um zusätzliche Ressourcen für die Arbeiten ging. Ich glaube auch nicht, dass man sich einer grundsätzlichen Öffnung verschließen würde. Von skeptischen Stimmen im Hause selbst würde ich ebenfalls nicht sprechen wollen. Es ist einfach, wie bei allen neuen Projekten, an mancher Stelle eine Unsicherheit oder Zurückhaltung zu spüren, aber es gibt auch viel Unterstützung. Sonst hätten wir nicht so schnell den Start hinlegen können. Wichtig für die weitere Entwicklung wird es sein, wie sich das Land NRW positioniert. Hier wird es ja bald den Auftakt zu einer breiteren Diskussion geben.
Wie reagieren die Bürger auf das Angebot? Gibt es bereits Anwendungen, die aus den Daten entwickelt wurden oder sind solche geplant?
Arndt: Die Resonanz war bisher durchweg positiv und hat uns in der Breite doch überrascht. Auch wenn nicht jeder gleich etwas mit JSON- oder XML-Dateien anfangen kann, wird eine stärkere Öffnung der Verwaltung grundsätzlich begrüßt. Das freut uns natürlich. Anwendungen gibt es noch nicht, aber wir sind ja auch erst wenige Tage online. Ich bin guter Dinge, dass in Zukunft hier etwas entstehen wird und eine intensive Nutzung erfolgen wird.









