München stimmt für Olympia. NRW bald auch?

© IMAGO / Sven Simon

München hat sich bei einem Bürgerentscheid am 26. Oktober mit deutlicher Mehrheit für eine erneute Olympiabewerbung ausgesprochen.

66,4 Prozent der Abstimmenden votierten dafür, dass sich die Stadt um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll. Rund 1,1 Millionen Münchnerinnen und Münchner waren aufgerufen, an dem Bürgerentscheid teilzunehmen. Die Abstimmungsbeteiligung lag bei 42 Prozent und erreichte damit einen neuen Rekordwert. Auffällig ist zudem, dass 85 Prozent der Stimmen per Brief abgegeben wurden.

Damit unterscheidet sich das Ergebnis deutlich von dem Bürgerentscheid im Jahr 2013, als eine Olympiabewerbung mit 52,2 Prozent noch abgelehnt wurde. Das klare Votum hat auch Auswirkungen über die Stadtgrenzen hinaus: In Nordrhein-Westfalen wird derzeit eine mögliche gemeinsame Bewerbung mehrerer Kommunen unter dem Namen „Olympia Rhein-Ruhr“ vorbereitet. Das Münchener Ergebnis erhöht nun den Druck auf andere deutsche Bewerbungen, deren Bürgerinnen und Bürger ebenfalls verbindlich zu beteiligen.

Die bayerische Staatsregierung sieht sich durch das deutliche Ja bestärkt und verweist auf die wirtschaftliche Stärke sowie die vorhandene Infrastruktur im Freistaat. Ministerpräsident Markus Söder sprach von einem wichtigen Signal an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und kündigte an, die Argumente für München offensiv zu präsentieren. Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter forderte, das Auswahlverfahren des DOSB zu beschleunigen. Der Bürgerentscheid wird dabei auch als Druckmittel eingesetzt, um sich gegenüber anderen möglichen Bewerbern wie Nordrhein-Westfalen, Hamburg oder Berlin zu profilieren.

Der DOSB plant, im Herbst 2026 den deutschen Kandidaten für die Olympiabewerbung zu bestimmen. Anschließend soll der sogenannte „Continuous Dialogue“ mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) beginnen – die nächste Phase im Bewerbungsverfahren. Weitere Details zum nationalen Auswahlprozess sollen auf der DOSB-Mitgliederversammlung am 6. Dezember in Frankfurt am Main festgelegt werden.

Trotz des klaren Ergebnisses bleibt das Verfahren in München umstritten. Kritisiert wird vor allem die einseitige Informationspolitik der Stadt. Stefan Bauer vom bayerischen Landesvorstand von Mehr Demokratie e.V. bezeichnete das Vorgehen als demokratiepolitisch hochproblematisch. Die Stadt habe im Vorfeld ausschließlich für die Olympiabewerbung geworben und keine Gegenargumente dargestellt. Zwar habe sie damit möglicherweise im rechtlichen Rahmen der Gemeindeordnung gehandelt, doch ein fairer Bürgerentscheid lebe davon, dass die Menschen umfassend und ausgewogen informiert werden. Besonders kritisch sei, dass die Briefwahlunterlagen nur Pro-Argumente enthielten, während die Contra-Seite nicht erwähnt wurde.

Bauer fordert daher eine Änderung der bayerischen Gemeindeordnung. Auch bei Bürgerentscheiden, die vom Stadtrat oder Gemeinderat initiiert werden, müsse künftig eine ausgewogene Information über Pro und Contra verpflichtend sein. Ob ein Bürgerentscheid „von unten“, also aus der Bürgerschaft – oder „von oben“ – durch ein Gremium – angestoßen wird, dürfe keinen Unterschied in der Qualität der Information machen.

Kritiker:innen bemängeln an der Olympiabewerbung vor allem die hohen und kaum kalkulierbaren Kosten, die Abhängigkeit vom Internationalen Olympischen Komitee sowie den fraglichen wirtschaftlichen Nutzen. Studien von DIW und ifo zeigen nur geringe und nicht nachhaltige Effekte, während enorme Ausgaben drohen. Zudem könnten Mieten und Lebenshaltungskosten steigen – ein Problem, das auch für Nordrhein-Westfalen relevant wäre.

Interessant ist daher, wie die Verantwortlichen in NRW auf den direktdemokratischen Entscheid aus München reagieren. Ministerpräsident Hendrik Wüst sieht die Kandidatur der Rhein-Ruhr-Region durch das Münchener Ergebnis bestärkt. „Deutschland ist bereit für Olympische und Paralympische Spiele – das zeigt das Ergebnis des ersten Bürgerentscheids“, erklärte der CDU-Politiker. Er gratulierte den Münchnerinnen und Münchnern zu diesem „klaren Bekenntnis“.

Nordrhein-Westfalen plant ebenfalls, die Bevölkerung zu befragen. Am 19. April 2026 sollen die Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung zu einer möglichen Olympiabewerbung äußern. Christoph Niessen, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes (LSB), kündigte an, mit Zahlen, Daten und Fakten für die Olympiabewerbung in die Offensive zu gehen. Als großes Aktivierungspotenzial sieht er die 17.000 Sportvereine mit insgesamt rund fünf Millionen Mitgliedern.

Zur NRW-Bewerbung gehören 16 Kommunen: Duisburg, Essen, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Gelsenkirchen, Oberhausen, Recklinghausen/Herten, Mönchengladbach, Pulheim, Krefeld, Monheim, Leverkusen, Bochum, Wuppertal und Aachen. Die jeweiligen Stadträte sollen über einen Ratsbürgerentscheid beschließen. Die Kosten sollen sich dabei auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag belaufen.iii

Wichtig ist hierbei, dass der Ratsbürgerentscheid bindend ist – er hat die gleiche Wirkung wie ein Ratsbeschluss. Sollte allerdings eine Kommune mit „Nein“ stimmen, würde das gesamte Olympiaprojekt nicht automatisch scheitern. Stattdessen könnten andere Kommunen einspringen. Das zeigt jedoch, wie schwer die beiden Bewerbungen miteinander zu vergleichen sind: Während in München nur eine einzige Abstimmung stattfand, sieht das nordrhein-westfälische Modell mehrere Abstimmungen in verschiedenen Städten vor.

Da Köln als sogenannte „Leading City“ fungieren soll, wäre es allerdings schwer vorstellbar, dass man dort auf ein „Ja“-Votum verzichten könnte. Insgesamt ist die nordrhein-westfälische Bewerbung deutlich komplexer und stützt sich auf das Votum mehrerer Kommunen, während in München allein die Bürgerinnen und Bürger der Stadt stimmberechtigt waren. Durchaus vorstellbar, dass die unterschiedliche Situation der Kommunen ein unterschiedliches Bild ergeben könnte durch die unterschiedliche Bevölkerungsstruktur der einzelnen Kommunen.

Update: Zwischenzeitlich steht fest, dass es am 19. April 2026 Bürgerentscheide in u.a. Köln, Düsseldorf und Gelsenkirchen zu Olympia geben soll.

Quellen:

Pressemitteilung

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