Wenn in der Öffentlichkeit von Praktika die Rede ist, dann schwingt häufig ein negativer Ton mit. Es ist die Rede von „Generation Praktika“, die als billige Arbeitskraft ausgenutzt wird und deren Arbeitsfelder sich höchstens auf Kaffee kochen und Botengänge beschränken. Andere wiederum erzählen davon, sich die meiste Zeit bei Facebook aufzuhalten oder Nachrichten zu lesen, weil sich keiner um sie kümmert und ihnen keine Aufgaben zugeteilt werden.
Meine Erfahrungen in Sachen Praktika sind äußerst gering und daher kann ich mich kaum zu der generellen Situation äußern. Was ich aber sehr wohl behaupten kann, ist das mein Praktikum bei Mehr Demokratie sehr abwechslungsreich und spannend war - Mit Kaffee kochen hatte das wenig zu tun.
Nachdem ich einen Aushang an meiner Universität für ein Praktikum bei Mehr Demokratie gesehen hatte und ich mich auch schon während meines bisherigen Studiums mit Ideen der direkten Demokratie auseinandersetzte, erschien mir ein Praktikum dort sehr attraktiv und spannender als in der Personalabteilung eines großen Unternehmens.
Stellungnahme für Landtag mit erarbeitet
Nach einem kurzen Bewerbungsgespräch konnte ich also am 14. Februar mein sechswöchiges Praktikum bei Mehr Demokratie in Köln beginnen. In dieser Zeit habe ich die verschiedenen Arbeitsbereiche von Mehr Demokratie kennen gelernt, wobei sich mein Hauptprojekt darauf konzentrierte, bei der Erarbeitung einer Stellungnahme für eine Anhörung im Landtag zu helfen. Diese öffentliche Anhörung zu den Gesetzesvorschlägen „Einleitung von Abwahlverfahren von Bürgermeistern per Bürgerbegehren“ und „Wiedereinführung der Stichwahl“ findet am 25. März statt, dem letzten Tag meines Praktikums.
Für diese verantwortungsvolle Aufgabe, habe ich mich sehr intensiv mit der Thematik rund um die Wahl und Abwahl des Bürgermeisters in Nordrhein-Westfalen befasst. Ich recherchierte im Internet über die bisherigen Regelungen, die Stellungen und Argumente von Mehr Demokratie und arbeitete zwei Bücher zur Bürgermeisterabwahl durch, um so die Positionen von Mehr Demokratie mit weiteren Argumenten und empirischen Zahlen zu stützen. Im Gegensatz zu den Arbeiten in der Universität, die Übungen darstellen, aber keine weiteren Folgen haben, als wenn überhaupt eine Note für mich, fließt diese Arbeit nun in den konkreten politischen Entscheidungsprozess mit ein. Auch wenn die Auswirkungen überaus gering sind, so habe ich doch ein wenig mitgewirkt und gelernt wie eine solche Stellungnahme geschrieben wird und Einblicke in die Arbeit einer Nichtregierungsorganisation gewonnen.
Pressearbeit kennen gelernt
Neben meinem Hauptprojekt gab es natürlich noch viele weitere Tätigkeitsbereiche. So habe ich zu Beginn durch eine Presseresonanzanalyse die Arbeit der Organisation besser kennen gelernt, ihre Positionen und wofür sie sich einsetzt. Zudem wurden mir so die Tricks und Kniffe für erfolgreiche Pressearbeit näher gebracht. Ich half bei der Kandidatenbefragung für die rheinland-pfälzische Landtagswahl mit und gewann einen Einblick in eine Studie zur direkten Demokratie in der Welt, die zurzeit von einem Mitarbeiter durchgeführt wird. Außerdem konnte ich mich durch eine Buchrezension tiefer gehend mit der Debatte um das Minarett-Bauverbot und die direkte Demokratie in der Schweiz beschäftigen.
Doch nicht nur Büroarbeit lernte ich während des Praktikums kennen. So konnte ich einer Pressekonferenz von Mehr Demokratie im Landtag beiwohnen und begleitete den Landesgeschäftsführer und den Pressesprecher zum Landesparteitag der CDU in Siegen, da Mehr Demokratie dort mit einem Info-Stand anwesend war. Mein letzter auswärtiger Termin steht aber noch, mit dem Besuch des Landtagsausschusses für den ich die Stellungnahme verfasste, vor mir.
Die sechs Wochen im Kölner Büro, welches mit ausgesprochen schönem Blick auf den Rhein ausgestattet ist, ermöglichten mir einen breit gefächerten Einblick in die Arbeit bei Mehr Demokratie. Aus dieser Zeit nehme ich viel im Hinblick auf Pressearbeit und das Verfassen von offiziellen Schreiben mit zurück in die Universität und freue mich konkret am politischen Prozess teilgenommen zu haben, auch wenn die Semesterferien dadurch kürzer ausgefallen sind.
Unser Praktikant Ruben Fernandez ist Student der Sozialwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.









