Wenn man für ein Bürgerbegehren in der Fußgängerzone Unterschriften sammeln geht, dann ist das vielleicht eines der letzten Abenteuer, die man in unseren Großstädten erleben kann. Man weiß nämlich nie, auf welche Menschen, welche Meinungen, welche Geschichten man trifft. Was der ältere Herr mit Hut oder die junge Frau mit dem Kinderwagen denkt, wird man erst wissen, wenn der Mut aufgebracht ist, die beiden anzusprechen. Wer es dann auch noch schafft, für sein Anliegen Gehör zu finden, der schafft, was sonst selten gelingt: fremde Menschen kommen miteinander ins Gespräch und diskutieren über eine politische Frage, die beiden Gesprächspartnern am Herzen liegt.
Ein Bürgerbegehren und die beliebte wdr5-Sendung „Hallo Ü-Wagen“ haben so gesehen vieles gemeinsam. Denn auch bei „Hallo Ü-Wagen“ wird in der Fußgängerzone über wichtige gesellschaftspolitische Fragen diskutiert. Und wer sich in der Sendung überhaupt an der Diskussion beteiligt, wem das Thema eine Herzensangelegenheit ist, das können Moderatorin Julitta Münch und ihr Team nur bedingt planen. „Hallo Ü-Wagen“ ist dieses Wagnis trotzdem 36 Jahre lang mit großem Erfolg eingegangen.
Wer schon einmal Unterschriften gesammelt hat, der weiß, wie kraftaufwändig das ist, wie viel Zeit, Geld und Mühen diese Arbeit kostet. Nur diejenigen, denen eine Sache besonders am Herzen liegt, scheuen diese Mühen nicht. Leider haben das Unterschriftensammeln und „Hallo Ü-Wagen“ auch hier etwas gemeinsam. Die Kosten für den Ü-Wagen sind hoch, der Nutzen angeblich nicht mehr im richtigen Verhältnis. Daher geht „Hallo Ü-Wagen“ am kommenden Samstag auf der Schildergasse in Köln das letzte Mal auf Sendung. Der passende Titel der Sendung: „Von Aufzucht und Pflege - die Pflanze Demokratie“. Zur Pflege der Demokratie gehört die Möglichkeit, Bürgern eine Stimme zu geben, sie mit Experten und Politikern ins Gespräch komme zu lassen. Dem hat „Hallo Ü-Wagen“ ein Forum gegeben. Schade, dass es dieses Forum ab dem kommenden Jahr nur noch als Sondersendung geben wird.









