Pressemitteilung

Schüler üben Demokratie

Krefeld/Köln – In Krefeld üben sich Jugendliche in praktischer Demokratie. Schüler der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule haben ein Bürgerbegehren für die Verlegung von „Stolpersteinen“ im Pflaster der Stadt gestartet. Mit dieser Initiative wenden sich die Jugendlichen gegen einen Ratsbeschluss von Anfang November, mit dem die Verlegung dieser Gedenksteine für die Opfer der Nazi-Diktatur abgelehnt wurde. Insbesondere die CDU hatte damit Bedenken von Vertretern der Jüdischen Gemeinde entsprochen, die ein „Herumtreten“ auf den Opfern befürchteten. Das Bürgerbegehren wird aber auch von während der NS-Diktatur Verfolgten und deren Angehörigen unterstützt.

 

Mit seinen Stolpersteinen will der Künstler Gunter Demnig an die Opfer der NS-Zeit erinnern, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Bis heute hat er über 5.500 Steine in 97 Orten verlegt. Schüler der Gesamtschule und einer Körperbehindertenschule hatten nach einem Vortrag des Künstlers in Krefeld eineinhalb Jahre lang Geld für das Stolperstein-Projekt gesammelt. Die bisher gesammelten Spenden reichen für 20 Gedenksteine. Die Jüdische Gemeinde plant hingegen die Aufstellung einer Messingtafel mit den Namen aller NS-Opfer in ihrer neuen Synagoge.

 

„Durch das Bürgerbegehren in Krefeld können Jugendliche erste engere Bekanntschaft mit der direkten Demokratie machen“, kommentierte Daniel Schily, Landesgeschäftsführer von Mehr Demokratie am Mittwoch in Köln. Besser als jeder Politik-Unterricht könne so vermittelt werden, dass man mit eigenem Engagement Diskussionen auslösen und etwas bewegen könne. „Jugendliche sind in den Stadträten naturgemäß unterrepräsentiert, aber durch die Nutzung dieses Demokratie- Instruments können sie sich effektiv Gehör verschaffen“, so Schily. Auch die Jüdische Gemeinde könne ihre Gründe für die Ablehnung des Projekts noch einmal allen Bürgern darlegen.

 

Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren benötigen die Schüler bis zum 3. Februar rund 7.200 Unterschriften. Lehnt der Rat das Bürgerbegehren ab, kommt es zum Bürgerentscheid.

Pressesprecherin


Ina Kuhl
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