"Nachhaltig angefixt"

Zehn Jahre nach Gründung des Bundesverbandes von Mehr Demokratie wurde 1998 der NRW-Landesverband gegründet. Der Politikwissenschaftler Martin Rüttgers eröffnete unter dem Dach der Stiftung Mitarbeit in Bonn ein erstes Büro. In unserem Interview erinnert er sich an die ersten Schritte.

Mehr Demokratie: Martin, Du warst der erste Geschäftsführer von Mehr Demokratie in Nordrhein-Westfalen. Wie kam es dazu?

Martin Rüttgers: Damals anno 1997 hatte ich als frischgebackener Politologe einen öden Job in einem juristischen Fachverlag. Seit einigen Jahren verfügte ich parallel über Kontakte zu vielen "Mehr Demokraten" in NRW und in Bayern, wo ich durch das erfolgreiche Volksbegehren "Mehr Demokratie in Bayern" nachhaltig angefixt wurde, aktiv für mehr Bürgerbeteiligung zu kämpfen. So wurde ich vor allem von Daniel Schily, aber auch Michael Seipel und Dr. Adrian Reinert ermutigt, mich ab 1998 komplett ganztags für den Aufbau von Mehr Demokratie in NRW einzusetzen.

 

Mehr Demokratie: Was war der Auslöser für die Gründung des Landesverbandes?

Rüttgers: Nach meiner Erinnerung war das so: Michael Seipel, Daniel Schily und andere Mitstreiterinnen und Mitstreiter hatten sich 1997 regelmäßig in Bonn und Köln getroffen, wo wir dann die Bundesvorstandsmitglieder Thomas Meyer und Roman Huber über unseren Plan unterrichteten, ein eigenes Büro in Köln zu gründen und die Gründung eines Landesverbandes NRW vorzubereiten. Ende 1997/Anfang 1998 scharrten schon einige Aktivgruppen - neben Bonn und Köln v.a. in Aachen, Bochum, Bielefeld und Münster mit den Hufen - um loszulegen und konkrete Aktionen zu starten.

 

Mehr Demokratie: Wie sahen die ersten Aktivitäten des Büros aus? Welche Schwierigkeiten gab es und woran erinnerst Du Dich besonders gerne?

Rüttgers: Die erste konkrete Aktion bestand in der Vorbereitung des Volksbegehrens "Mehr Demokratie in NRW". Die bürokratische und mit hohen Hürden ausgestattete Volksgesetzgebung in NRW musste von uns genutzt werden, um selbige bürgerfreundlicher zu gestalten. Die Aktivgruppen hatten hierzu intensiv einen eigenständigen Gesetzentwurf erarbeitet.

Die größte Schwierigkeit war natürlich seinerzeit, die mangelnde Infrastruktur im Büro sowie die fehlenden finanziellen Ressourcen durch die Ressource ehrenamtliches Engagement und Idealismus zu kompensieren. Besonders gern erinnere ich mich an die damalige Aufbruchstimmung, die Motivation der Mehr Demokratinnen und Demokraten und die lebhaften Diskussionsrunden im Kölner Büro, etwa mit Daniel Schily, Thorsten Sterk und David Schorr.

 

Mehr Demokratie: Wie siehst Du Mehr Demokratie im Rückblick und was wünschst Du dem Verein für die Zukunft?

Rüttgers: Dem Verein wünsche ich für die Zukunft, dass er sich immer klar positioniert für den Ausbau und die Entwicklung unserer Demokratie in all ihren Facetten, auch bezüglich deliberativer Beteiligung und gegen die Vereinnahmung der direkten Demokratie durch rechte Hetzer und Populisten. Hier wünsche ich mir klare Kante gegen Rechts!

 

Martin Rüttgers, geboren 1970 in Saarburg bei Trier hat in Trier, Tübingen und Berlin Politikwissenschaften studiert. Seit Mitte der 1990er Jahre engagiert er sich für Bürgerengagement und Partizipation. 2004 gründete er das Forschungs- und Beratungsinstituts Martin Rüttgers.

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